Man ist, was man isst

Kategorie: zum buch
Veröffentlicht am Donnerstag, 09. Oktober 2008 01:04
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Kochbuchautoren haben meist kein kleines Sendungsbewusstsein. Doch wie groß muss es sein, wenn gleich zur "kulinarischen Weltverbesserung" aufgerufen wird? Tatsächlich ist Wam Kat, 1955 in den Niederlanden geboren, vor allem Aktivist, dann erst Autor, Journalist und Koch. Kein gewöhnlicher, seit gut 25 Jahren kocht Kat auf Großdemos, zuletzt in Rostock bei den Protesten gegen den G8-Gipfel. Er und das Kollektiv "Rampenplan" haben das alte Modell der Volksküche für die linke Szene neu aufgelegt. Sie verzichten auf Fleisch, kochen häufig vegan und kaufen das Gemüse aus Gründen der eigenen Glaubwürdigkeit bei Biobauern. Mehr als einmal waren Kat und der "Rampenplan" für das Essen von mehr als 5000 Menschen verantwortlich. Nicht ohne Selbstironie sagt Kat: "Seit Jahren eilt der Küche der Ruf voraus, dass sie leckeres Essen in Riesenmengen ausstoßen kann – etwas, das zu meiner Zeit eher die Ausnahme war."

5162269 Obst und Gemüse gibt’s für Wam Kat nur vom Biobauern. | Foto: Kai Pelka

 

 

 

 

von: Annette Hoffmann, Badischen Zeitung, Freiburg, 12 September 2008

Trotz des fettspritzerresistenten karierten Glanzumschlages, mit dem der Freiburger Verlag orange-press "Wam Kats 24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung" versehen hat, ist es also mehr als ein Kochbuch. Wam Kat wirft Schlaglichter auf die linke Bewegung, für die er sich seit Mitte der 1970er-Jahre engagiert und erzählt nebenbei seine Biografie in Texten und Fotos. Die Rezepte treten dabei fast in den Hintergrund. Liebhaber von Tofu-Aufstrichen und veganer Mayonnaise mögen das etwas anders sehen. So finden sich in Kats Buch Anekdoten, wie er als Praktikant in einem Amsterdamer autonomen Club die "Sex Pistols" betreute und mit diesen eine Frittenbude besuchte, wo alle Bandmitglieder der frittierten Wurst "Frikandel" zusprachen. Nur Johnny Rotten nicht, der war Vegetarier.
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Eine solide Küche verhindert Gewalteskalation


Er berichtet aber auch vom Häuserkampf in den Niederlanden und von seiner Zeit in Sarajevo während des Krieges, als er einen der ersten Blogs einrichtete, in dem Menschen aus Belgrad und Zagreb Einblick in ihren Alltag gaben. Kat schreibt keine linken Heldengeschichten, immer wieder merkt man seinen Texten ein Augenzwinkern an. So löste sich sein Problem, für ein Festival in Ungarn Biogemüse zu besorgen in Wohlgefallen auf, als er erfuhr, dass sich die Bauern weder Dünger noch Spritzmittel leisten konnten. Diese jedoch fuhren in den Westen und kauften von ihren Einnahmen Konserven und elektrische Geräte. Solche Details sind es, die das Konservative und Paradoxe an der alternativen Bewegung aufzeigen und ihren missionarischen Eifer unterlaufen. Und doch ist es kein Zufall, dass sich in Kats Kochbuch häufig so gutbürgerliche und preiswerte Rezepte wie das holländische Nationalgericht Kartoffelpüree mit Endivien finden. Eine derart solide Küche, so ist Wam Kat überzeugt, hat schon manche Gewalteskalation auf Demos verhindert. Und würden alle so ressourcenschonend kochen, gäbe es weltweit weniger Hunger. Die erste Kochgeschirrgarnitur von "Rampenplan" ist übrigens an eine Freiburger Volksküche übergegangen.

– "Wam Kats 24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung". Orange-press Freiburg 2008. 256 Seiten, 25 Euro.
– Am 19. September wird Wam Kat ab 17 Uhr im Rahmen der Feier zum 15-jährigen Bestehen des selbstverwalteten Wohnprojekts S.U.S.I in der Vaubanallee 2-8 in Freiburg kochen und aus seinem Buch lesen.
 
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