Kochen fuer die gute Sache

Demonstranten versorgen Kochen fuer die gute Sache

04. November 2010, 17:10 *

Artikelbild: Kampfkoch seit 30 Jahren: Wam Kat (rechts) verkocht Slow-Food-Restln in Turin.
- Foto: Georg Desrues Kampfkoch seit 30 Jahren: Wam Kat (rechts) verkocht Slow-Food-Restln in Turin.

Der Hollaender Wam Kat kocht fuer Frieden, die Umwelt & gegen die Atomkraft, im Balkankrieg kochte er jahrelang mit Fluechtlingsfrauen

DER STANDARD: Warum sind Sie eigentlich hier in Turin - gibt es derzeit keine wichtigen Demos in Europa?
Wam Kat: Leider kann man nicht ueberall sein. Die Demonstranten gegen den Bahnhofsabriss in Stuttgart sind gut organisiert und versorgt. Aber wir bereiten gerade die Verpflegung fuer die grosse Demonstration gegen das Atommuellager Gorleben vor. Ausserdem war es mir wichtig, hier zu sein. Diese Veranstaltung beweist, dass die Slow-Food-Bewegung keine elitaere Vereinigung von Gourmets ist, sondern sich um die Zusammenhaenge zwischen Essen und Politik kuemmert - da will ich natuerlich dabei sein.

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Auch Umweltaktivisten haben irgendwann Hunger. Dann steht Protestkoch Wam Kat bereit.

DLF-MAGAZIN 04.11.2010

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Wam Kat, der Demo-Koch

Tagesspiegel Wenn Tausende lautstark protestieren, rueckt Wam Kat mit riesigen Toepfen an. Der Hollaender kocht seit Jahrzehnten fuer Demonstranten. Vegan natuerlich. Image Es war am letzten Tag der Proteste von Heiligendamm, als ploetzlich ein Einsatzleiter der Polizei vor Wam Kat stand. Der Einsatzleiter sagte, er solle ihm verdammt noch mal verraten, wie das gehe, rein organisatorisch, warme Suppe, stets puenktlich, fuer Tausende von Demonstranten. Seine Polizisten muessten oft 24 Stunden ohne ordentliche Mahlzeit ausharren. Die Sonne stand tief am Horizont, die letzten G8-Gegner rollten ihre Schlafsaecke zusammen, eine Sommerbrise wehte ueber die aecker rund um den Sicherheitszaun, der die Staatschefs schuetzen sollte. Wam Kat schaute den Einsatzleiter an und sagte: "Das funktioniert, weil wir es freiwillig tun. Und weil wir voller Energie sind."

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Polit-Kochbuch: Wam Kat's 24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung

Der hollaendische Politikaktivist Wam Kat kocht seit bald 30 Jahren fuer die Grossveranstaltungen der Friedensbewegung und Atomgegner. Er kochte fuer das Zeltlager der Protestierenden anlaesslich des G8-Gipfel bei Rostock im Sommer 2008 und zuletzt fuer das Sommercamp Ecotopia im Flaeming, wo er heute wohnt. Kat kocht immer vegetarisch und moeglichst nur aus regionalem Anbau. Um 1980 gruendete er mit einer Gruppe junger Hollaender der Antiatombewegung die Koch-Gruppe Rampenplan. Mitte der 80er Jahre haben er und seine Freunde dann 500-Liter Toepfe selbst gebaut, so gross, dass sie gerade noch in ihren Minibus passten. Und dazu haben sie die passenden Gasbrenner geschmiedet, schwere Ungeheuer, die den jungen Koechen anfangs oft die Haare der Arme versengten, aber von den Behoerden zugelassen wurden. Die verschiedenen politischen Aktionen, an denen Wam und Freunde teilgenommen haben, funktionierten wie Universitaeten, die ihre spezielle, politische Art zu kochen hervorbrachten. In seinem Buch stellt Wam Mahlzeiten vor, in denen nur wenig Erdoel in Form von Fluegen, langen LKW-Fahrten, Kunstduenger oder Pflanzengift steckt. In kleinen Geschichten erzaehlt er dazu aus dem Leben eines europaeischen Politnomaden. "Wam Kat's 24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung" // Literatur _ Verlag: Orange-press, Freiburg 2008 (256 Seiten) _ ISBN-13: 978-3936086362 _ Preis: 25 Euro

Der Mann, der die Volkskueche neu erfand

Wam Kat ist ein gut gelaunter, schlanker Mann, traegt das lange, graue Indianerhaar im Nacken zusammengebunden, wie man sich das bei einem Friedensaktivisten jenseits der 50 halt so vorstellt. Der Niederlaender weiss, wie man bissfeste Nudeln fuer 7000 ausgehungerte G-8-Demonstranten kocht, dass man die dazu noetigen Riesentoepfe selbst zusammenloeten muss und dass die besten Kartoffeln manchmal in einem Soldatenhelm zubereitet werden. Der weitgereiste Extrem-Koch wuchs in der Kuenstlerkolonie seines Vaters auf, jobbte als Soziologiestudent in einer Fleischfabrik und lebt inzwischen im beschaulichen Belzig. "24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung" heisst sein neues Kochbuch, und als Weltverbesserer fuehrt ihn auch das Programm des "Kulinarischen Kinos", das heute zum Abschluss noch einmal ganz laut mit dem Kochloeffel auf die Werbetrommel fuer eine Ethik des Essens haut. Wam Kat ist heute Vormittag in der Nelson-Mandela-Schule in Charlottenburg zu Gast, zusammen mit dem Interconti-Kuechendirektor Alf Wagenzink und dem umweltbewegten Schauspieler Hannes Jaenicke. Man guckt gemeinsam die Doku "The Rainbow Warriors of Waiheke Island" (Regie: Suzanne Raes) ueber jenes legendaere Greenpeace-Schiff, das 1985 versenkt wurde und zu dessen Besatzung Wam Kat einst gehoerte. Die Schueler bereiten dazu Speisen nach original Wam-Kat-Rezepten. Zu sehen ist der Film noch einmal heute um 16 Uhr im Martin-Gropius-Bau. Berliner Morgenpost
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